Blindstrom
Wo tritt Blindstrom auf?
Blindstrom tritt bei induktiven Verbrauchern, also Spulen jeder Ausführung auf, die kurzfristig, während des Einschaltmomentes, ein Vielfaches der angegebenen Leistung benötigen um ein Magnetfeld aufzubauen.
Induktive Verbraucher sind z.B. Asynchronmotoren, Stromrichter zur Kommutierung, Transformatoren, Drosselspulen, Schweißgeräte, Leuchtstofflampen, USV-Anlagen, Akkuladestationen, Anlagen mit sonstigen Entladungseinrichtungen, Pumpen, Hochdruckreiniger, usw.
Was ist Blindstrom?
Blindstrom ist der, zum Aufbau und Umpolen eines magnetischen Feldes (bei induktiven Verbrauchern) benutzte Teil des Stroms. Dieser Energieanteil wird nicht in Wirkleistung umgesetzt. Das heißt, dass im Gegenteil zum Wirkstrom, der Blindstrom nicht „verbraucht“ wird, sondern zwischen Erzeuger (z.B. Kraftwerk, Generator) und Verbraucher durch die Stromleitung hin und her pendelt.
Welche Folgen hat BS?
Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, darf das Stromnetz nicht überlastet werden. Deshalb müssen alle Anlagen die Blindstrom erzeugen für eine höhere Leistung ausgelegt werden (Anschlussleistung bzw. Scheinleistung), als sie eigentlich benötigen (Wirkleistung). Dies hat zur Folge, dass dem Energieversorger durch die Einrichtung zusätzlicher Erzeugungskapazitäten, sowie erhöhtem Investitions- und Wartungsaufwand im Stromnetz, erhebliche Mehrkosten entstehen.
Kann man BS vermeiden?
Durch das Vorschalten einer Anlage zur Blindstromkompensation, könnte Blindstrom im Übertragungsnetz theoretisch komplett vermieden werden. Da der Einfluss von kleineren Einzel-Anlagen auf die Anschlussleistung aus Kostensicht aber vernachlässigbar ist, wären entsprechende Maßnahmen allerdings unwirtschaftlich.
In größeren Anlagen kann die Summe der einzelnen Fehlanpassungen jedoch groß genug werden, um das allgemeine Stromnetz mehr als zulässig zu belasten. Daher werden vorrangig bei gewerblichen Großkunden entsprechende Anschlussleistungen definiert und spezielle Zähler zur Messung der Blindenergie installiert, so dass die Blindstrombelastung berechnet werden kann.
In der Stromrechnung wird dann bei Unterschreitung einer festgelegten Grenze (üblicherweise cos(phi)<0,9) aus o.g. Gründen der Blindstromverbrauch in Rechnung gestellt. Diese Maßnahme könnte beim Endabnehmer die Investition in Blindstromkpompensations- anlagen rechtfertigen, wodurch sowohl der Kunde, als auch das Energieversorgungsunternehmen entlastet würden.
Was bedeutet der cos(phi)?
Den Wirkfaktor einer Anlage bezeichnet man als Kosinus phi. Er gibt das Verhältnis von Leistung zu Scheinleistung an. Sein Wert kann zwischen 0 und 1 liegen.
Ein cos(phi) von 1 bedeutet, dass Übertragungsverluste komplett vermieden werden. Ein cos(phi) von 0,9 wird unterschritten, wenn die entnommene Blindarbeit 48,4% der Wirkarbeit überschreitet.