Berichte des Vorstandes
Lagebericht 2009
Die Wirtschaftslage in Deutschland wurde im Berichtsjahr 2009 durch die Finanz- und Wirtschaftskrise geprägt. Der Wirtschaftsabschwung hat sich weiter fortgesetzt. Das Bruttoinlandsprodukt ist real um rund 5,0 % gefallen. Ausgelöst durch die internationale Finanzkrise im Herbst 2008 sackten im Berichtsjahr die Konjunkturindikatoren fast aller wichtigen Industriebranchen um 20 bis über 30 % ab.
Auch die saarländische Wirtschaft bekam die Auswirkungen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise deutlich zu spüren. Das saarländische Bruttoinlandsprodukt hat sich im Vergleich zu dem übrigen Bundesgebiet wesentlich ungünstiger entwickelt und verzeichnete ein Minus von rund 7,9 %. Die Hauptstützen der Saarwirtschaft, die Metallindustrie, die Fahrzeugproduktion und der Maschinenbau, hatten herbe Rückschläge zu verkraften. Da sich die Auslandsnachfrage drastisch reduzierte, wurde die Saarindustrie, die eine Exportabhängigkeit von fast 50 % aufzeigt, umso heftiger getroffen.
Auch die Region Neunkirchen litt unter dieser Krise. Gerade die Automobilzulieferfirmen waren durch Anpassungsprozesse der Produktion über Kurzarbeit und/oder den Weiterbetrieb in der Insolvenz vor starke Herausforderungen gestellt. Die gesamte Entwicklung hat auch die KEW AG durch deutlichen Rückgang der Energieverkäufe zu spüren bekommen.
Der konjunkturelle Abschwung hat wesentlich dazu beigetragen, dass der Energieverbrauch in Deutschland um rund 6 % gegenüber dem Vorjahr rückläufig war. Der Primärenergieverbrauch erreichte einen Wert von rund 455 Mio. t Steinkohleeinheiten (Mio. tSKE). Im vorigen Jahr betrug der Wert rund 484 Mio. tSKE. Der Rückgang des Primärenergieverbrauchs betraf alle Energieträger mit Ausnahme der erneuerbaren Energien. Der Energieverbrauch in Deutschland fiel damit im Berichtsjahr auf das niedrigste Niveau seit Anfang der 70-er Jahre.
Der Erdgasverbrauch sank in 2009 um rund 5,5 %. Die Nachfrage ging sowohl in der Industrie wie auch bei den Kraftwerken zurück. Die privaten Haushalte steigerten ihren Verbrauch leicht infolge der niedrigeren Temperaturen im ersten Quartal.
Der Bruttostromverbrauch in 2009 war ebenfalls erheblich niedriger als im Vorjahr. Er reduzierte sich um rund 5,2 %. Der Rückgang ist durch die Wirtschaftskrise insbesondere in dem Industrie- und Gewerbebereich festzustellen. Daneben wirkt sich auch zunehmend das wachsende Energiebewusstsein der Privatkunden aus.
Der Wasserverbrauch in Deutschland ist in der Tendenz weiter rückläufig. Das Bewusstsein der Kunden für Wassereinsparmaßnahmen sowie verbesserte Gerätetechnologie wirken sich rückläufig auf den gesamten Wasserverbrauch aus.
Im Stromnetz der KEW ist die Abgabe an alle Kunden aufgrund der Konjunkturkrise um rund 15 % zurückgegangen. Der Stromverkauf reduzierte sich im Berichtsjahr – auch unter Berücksichtigung der Lieferungen in Fremdnetze – um rund 12 %. Die Stromlieferungen von fremden Händlern im Netzgebiet der KEW sind weiter angestiegen und betrugen im Berichtsjahr rund 4 % vom Gesamtstromaufkommen im KEW-Netz. Die Veränderungen im Strombereich – sowohl im Netz als auch im Vertrieb – waren maßgeblich geprägt durch die Situation bei einem Großkunden im Bereich der Automobilzulieferindustrie.
Trotz der kühlen Witterung ist die Gasabgabe im Netz der KEW um rund 7,5 % zurückgegangen. Der Verbrauchsrückgang hat sich insbesondere überproportional bei den Lieferungen an industrielle Sonderkunden bemerkbar gemacht. Im Privat- und Kleinkundenbereich war die Abgabe rund 3 % geringer als im Vorjahr. Die Nutzung des KEW-Gasnetzes durch fremde Händler hat zugenommen. Der Wettbewerb im Gassektor war deutlich zu spüren. Der Verlust des größten Gaskunden an einen fremden Händler bis zum Oktober 2009 hat zum Verkaufsrückgang beigetragen.
Auch der Verkauf der Fernwärme ist im Berichtsjahr mit rund 4,6 % rückläufig. Die Rückgänge betreffen sowohl die privaten Haushalte als auch das Gewerbe. Überproportional ist der Verkauf an die öffentlichen Gebäude zurückgegangen. Im Bereich der Fernwärme machen sich sehr stark die Energieeinsparmaßnahmen, insbesondere bei den öffentlichen Einrichtungen, bemerkbar.
Der Wasserverbrauch ist im Berichtsjahr um rund 1 % weiter zurückgegangen. Diese Tendenz ist in den letzten Jahren festzustellen. Der Rückgang ist überproportional im Bereich der Industrie, sicherlich auch aufgrund der schlechten Konjunkturlage. Der Verkauf an Weiterverteiler, hier insbesondere die Gemeindewerke Kirkel GmbH, ist auf einem konstant hohen Niveau.
Auch das Jahr 2009 war wiederum geprägt durch einen starken Wettbewerb im Strom- und im Gassektor. Die Anzahl der Strom- und Gashändler, die im Netzgebiet der KEW Angebote unterbreiten, hat deutlich zugenommen. Der Wettbewerb wird insbesondere noch über den Preiskampf geführt. Deutlich zugelegt hat die Konkurrenz im Gasbereich. Die Regelungen für den Gasnetzzugang erlauben den fremden Händlern die einfache Nutzung der fremden Gasnetze.
Der Wettbewerb um die Privatkunden hat sowohl im Strom- als auch im Gasbereich deutlich an Fahrt gewonnen. Rund 2 % der Haushaltskunden im Netzbereich der KEW sind mittlerweile fremd versorgt. Im Gasbereich war insbesondere zum Jahresende 2009 aufgrund der bestehenden deutlichen Preisunterschiede zu fremden Händlern eine Zunahme der Vertragskündigungen hinzunehmen.
Das Unternehmensergebnis 2009 wird bestimmt durch den positiven Beitrag aller Sparten. Der Jahresüberschuss in Höhe von 9,165 Mio. € liegt deutlich über dem Vorjahresniveau. Das Betriebsergebnis hat sich leicht auf 14,94 Mio. € erhöht, sodass vor allem die Sondereffekte des Berichtsjahres sowie des Vorjahres, die im neutralen Ergebnis abgebildet sind, zu einer Ergebnissteigerung um rund 4,0 Mio. € beigetragen haben. Das konsequente Kostenmanagement hat dazu geführt, dass sich die Aufwands- und Kostenpositionen im Vergleich zu den Erträgen unterproportional entwickelt haben. Die Investitionstätigkeit in Sachanlagen und immaterielle Vermögensgegenstände war im Vergleich zum Vorjahr um rund 500.000 € höher. Die Liquidität des Unternehmens war jederzeit gesichert.
Die Beteiligungsgesellschaften Kommunale Entsorgung Neunkirchen GmbH & Co. KG, Fernwärmeversorgung Neunkirchen GmbH, Gemeindewerke Kirkel GmbH, energis GmbH, Wasserversorgung Ostsaar GmbH sowie die Energiehandelsgesellschaft Saar GmbH konnten die Planwerte erreichen oder übertreffen. Das Berichtsjahr 2009 war im Wesentlichen geprägt durch Beschaffungsaktivitäten im Strom- und Gassektor, die Umsetzung der Vorgaben im Bereich des Energiedatenmanagements, die Vorbereitung eines neuen EDV-Konzeptes im technischen Bereich sowie die Stärkung der Vertriebsaktivitäten. Die KEW hat mit notariellem Anteilskaufvertrag vom 10. Dezember 2008 weitere Anteile an der Wasserversorgung Ostsaar GmbH erworben.
Die Erlös- und Kostensituation des laufenden Jahres lässt erkennen, dass trotz Druck auf die Rohmargen bei Strom und Gas eine stabile Ergebnissituation erzielt werden kann. Die Wirtschaftslage hat sich leicht gebessert. Die Verkaufszahlen an die Industriekunden zeigen einen Trend nach oben. Ein Großkunde wird Mitte des Jahres aus der Insolvenz geführt und mit neuem Anteilseigner weitergeführt. Der Wettbewerbsdruck in allen Kundensegmenten steigt weiter. Der Ölpreis hat deutlich zugelegt mit der Folge, dass der Erdgasbezug sich für KEW erheblich verteuert. Dies mindert die Wettbewerbsfähigkeit des KEW Vertriebs im Vergleich zu Wettbewerbern, die sich die Gasmengen zu deutlich günstigeren Konditionen an den Großhandelsmärkten erwerben können. Die Beschaffungsmodelle – sowohl im Gas- als auch im Strombereich – müssen kurzfristig an die sich verändernden Marktgegebenheiten angepasst werden. Aufgrund der Situation ist davon auszugehen, dass KEW die Gaspreise in den kommenden Quartalen des laufenden Jahres nicht im Verhältnis zur Bezugskostensteigerung anpassen kann.
KEW wird sich zunehmend den Themen „Energiedienstleistungen“ und „Erneuerbare Energien“ widmen. Des Weiteren soll das Geschäftsfeld „Reakquise von Kunden“ professionell bearbeitet werden. Der Einstieg in Lieferung an Kleinkunden außerhalb des eigenen Netzes wird im zweiten Halbjahr des laufenden Jahres angegangen. Die Abgabemengen im laufenden Jahr dürften sich in etwa auf dem Niveau des Vorjahres bewegen. Es ist daher davon auszugehen, dass unter Berücksichtigung der Kosten- und Erlösentwicklung auch für das Jahr 2010 ein zufriedenstellendes Ergebnis erwirtschaftet werden kann.
Um den Anforderungen des Gesetzes zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmen (KonTraG) gerecht zu werden, hat die KEW ein Risikomanangementsystem eingeführt. Die vorhandenen Risiken sind erfasst und werden regelmäßig überwacht. Die Analyse des momentanen Risikoszenarios ergab, dass zwar keine den Fortbestand der KEW gefährdenden Risiken bestehen oder bestanden haben, aber dass aufgrund der eingetretenen Situation insbesondere bei den industriellen Großkunden finanzielle Ausfälle nicht auszuschließen sind. Der drohende Ausfall von Forderungen hätte Auswirkungen auf die wirtschaftliche Situation des Unternehmens.
Die Anreizregulierung führt dazu, dass die KEW im Netzbereich einen Erlöspfad mit sinkenden Erlösobergrenzen beschreiten muss. Dies hat auch Einfluss auf das Unternehmensergebnis. Das laufende Jahr 2010 ist zudem das sog. „Fotojahr“ für die Beantragung der Gasnetzentgelte. Die Unternehmenssteuerung muss auf die Faktoren, die sich auf das wirtschaftliche Ergebnis auswirken, reagieren, insbesondere mit einem konsequenten Kostenmanagement, einer qualifizierten Auf- und Ablauforganisation, einer Qualifizierung des Personals sowie der optimalen Unterstützung durch ein leistungsfähiges IT-System, sowohl im technischen als auch im kaufmännischen Bereich.
Nach dem Schluss des Geschäftsjahres sind keine Vorgänge von besonderer Bedeutung eingetreten.
Es wird gemäß § 312 Absatz 3 Aktiengesetz folgende Schlusserklärung erstattet:
"Rechtsgeschäfte mit der Verkehrs- und Energiebeteiligungsgesellschaft der Kreisstadt Neunkirchen mbH, Neunkirchen, oder einem mit ihr verbundenen Unternehmen oder auf Veranlassung oder im Interesse dieser Unternehmen fanden nicht statt. Auch andere Maßnahmen wurden nicht getroffen oder unterlassen."